Politik

Minderjährige Häftlinge in der Türkei

Nezam · 06.09.2010 · 2 Aufrufe

Im Jahr 2006 begann die Türkei, hunderte Minderjähriger wegen politischer Vergehen für viele Jahre ins Gefängnis zu sperren. Dies verstieß gegen die UN-Kinderrechtskonvention. Auf internationalen Druck lenkte die türkische Regierung jetzt ein.

von Christian Jakob


Seit dem frühen Morgen wartet Jahide Balaban. Nun ist es bald Mittag, und noch immer ruft kein Gerichtsdiener sie in den Saal. Die 34jährige Kurdin hockt auf einem Fenstersims im Justizgebäude der Provinzhauptstadt Diyarbakir, im Südosten der Türkei. Sie hat das traditionelle weiße Tuch um den Kopf gelegt, zwei ihrer Kinder laufen herum und zupfen umstehende Erwachsene am Ärmel. Es ist der 18. März, und eigentlich wartet Jahide nicht erst seit vier Stunden, sondern schon seit vier Monaten darauf, dass die türkischen Behörden ihrem 15jährigen Sohn Erkan den Prozess machen.

Am 6. Dezember 2009, einem Sonntag, war die Familie Balaban in Diyarbakir zu einer Demons­tration gegen die Haftbedingungen von Abdullah Öcalan gegangen. Aufgerufen hatten nicht nur legale kurdische Organisationen, sondern auch die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans PKK. Rund 15 000 Menschen gingen an diesem Tag auf die Straße. Als die Polizei dem Protestzug irgendwann den Weg versperrte, flogen Steine. Die Balabans, so berichtet die Mutter, verließen daraufhin die Demonstration, Erkan hingegen blieb, zusammen mit vielen anderen kurdischen Jugend­lichen. Die Polizei ging mit Wasserwerfern, Tränengas und scharfer Munition gegen die Demonstranten vor. Der 23jährige Aydin Erdem wurde durch eine Kugel getötet, zwei weitere Menschen wurden verletzt. 113 Personen wurden festgenommen, darunter 19 Minderjährige. Einer davon war Erkan Balaban. Die Polizisten nahmen ihn mit zur Wache. Sie beschuldigten ihn, Steine geworfen und Polizisten beleidigt zu haben.

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